Bemerkenswert

Ein Neuanfang

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Da wären wir also.                                                                                                                                  Willkommen in meinem kleinen Schloss, dem Sandpalast.

Ich habe viel Arbeit in diese Seite gesteckt, denn ich wollte, dass sie mich spiegelt. Wollen wir von ganz vorn beginnen?

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Am 27. Juli 2016 habe ich meinen ersten Post auf Instagram verfasst. Wer von euch kann sich daran noch erinnern? 😀 Hände hoch und kommentieren, das würde mich nämlich interessieren! Ich hatte einen großen Traum: einen bekannten Beauty-Blog zu kreieren. Tja, das hat nicht so ganz funktioniert :’D Ich habe ja relativ schnell die Lust am Bloggen verloren und nichts mehr oder nur noch selten gepostet, und professionell war das damals ja auch nicht wirklich…

Naja, irgendwann habe ich dann wieder Lust bekommen und der Traum eines richtigen, eigenen Blogs ist entstanden. Doch wie bekomme ich nun einen tollen Blog? Selbst machen! Und ganz schnell hab ich mich auf der Jimdo-Seite wiedergefunden, in der Hoffnung, im Handumdrehen eine professionelle, ansprechende Website zu zaubern. Tja, das hat auch nicht ganz so funktioniert. 😀 Mit der Gestaltung der Website hatte ich einige Schwierigkeiten und es hat lange gedauert, bis ich wirklich zufrieden damit war (und jetzt werfe ich sie schon wieder in den Müll…). Falls es jemanden interessiert, der alte Blog wird durchaus weiterhin online bleiben, allerdings sozusagen stillgelegt. 🙂

So, jetzt hatte ich also meine eigene Website. Ich bin noch immer sehr stolz darauf, das alles selbst designed zu haben 🙂 Eine Zeit lang war ich ja aktiv, dann habe ich jedoch (wieder mal) das Interesse an meinem Blog verloren. Demnach ist es ja auch keine Überraschung, dass sich Follower in Grenzen halten. Trotzdem hat mich das irgendwie zusätzlich runtergezogen…

Im Jänner 2017 (nachdem ich mich länger nicht gemeldet hatte), konnte ich dann den Mut fassen, über mich und meine aktuelle Situation zu sprechen. Ich bin essgestört. Verursacht wurde das hauptsächlich durch die sozialen Medien, weswegen ich gezwungen war, Instagram für einige Zeit den Rücken zuzukehren. Außerdem wurde zu dieser Zeit bei meiner Oma Demenz diagnostiziert, was für mich persönlich ein sehr schwerer Schlag war. Meine Großeltern sind ein sehr großer Teil meines Lebens und haben mich vor allem in meiner Kindheit sehr geprägt. Mit dem Wissen zu leben, dass meine Oma sich an so viele Dinge nicht mehr erinnert, immer schwächer wird und mich irgendwann mal einfach vergisst, das ist nicht leicht. Aber darüber möchte ich in einem eigenen Blogpost schreiben.

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Jedenfalls war ich lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. Mittlerweile geht es mir sehr gut, ich bin ausgeglichen und weiß endlich, wer ich bin und was ich will. Ich bekomme keine Panikattacken mehr vor künftigen Schwierigkeiten, sondern stelle mich Herausforderungen und wachse jedes Mal ein Stückchen über mich hinaus. Und weil mein Leben gerade wirklich toll ist (natürlich ist es nicht perfekt, auf gar keinen Fall! Aber ich komme einfach irrsinnig gut mit mir und meiner Umwelt zurecht :D), habe ich mich für einen neuen Blog entschieden. Ich möchte über meine Erfahrungen, Träume, Schicksalsschläge und vieles mehr schreiben! Vielleicht finden sich ja Menschen, die Ähnliches erlebt haben und sich gerne austauschen möchten.

Also, das ist mein Ziel. Dich da draußen inspirieren und aufbauen, und gleichzeitig mir etwas Gutes tun, indem ich mir einiges von der Seele rede 🙂

Bist Du dabei?

Alles Liebe, Stefanie

 

Essgestört – meine Geschichte

Der heutige Blogpost behandelt ein sehr heikles Thema und es kostet mir viel Mut, darüber zu sprechen oder zu schreiben. Ich hoffe gerade noch irgendwie, dass es mir leichter fällt, meine Gedanken mit fremden Menschen zu teilen. Die können mich ja schließlich nicht mitleidig anschauen und irgendwelche „Gute Besserung“-Wünsche stammeln, oder? Naja, können sie ja irgendwie doch. Kommentare, Emails, Direct Mails, etc. Auch geschriebene Worte können etwas bewirken, egal ob negativ oder positiv. Sobald auch nur der Ansatz einer Kommunikation besteht, kann man Menschen bereits verletzen, ohne es vielleicht selbst mitzubekommen.

Okay, ich fange vielleicht trotzdem ganz von vorne an.


Wie ich krank wurde

Wann das alles angefangen hat, kann ich eigentlich gar nicht mehr so genau sagen. Ich schätze mal, Ende 2015. Ich hab mir natürlich schon länger Sorgen über meine Figur und mein Gewicht gemacht, so wie das (fast) alle Mädchen und Frauen tun. Jedenfalls war ich zu dieser Zeit relativ unsportlich, ich war aber trotzdem nicht dick. Eigentlich war ich sogar ziemlich schlang, aber eben nicht mega dünn, so wie die Models auf Instagram oder anderen Social Media Seiten. Ich hatte eben doch ein bisschen Bauch, und flach war das ganz bestimmt auch nicht 😀

Jedenfalls, so richtig viele Gedanken über mein Aussehen habe ich mir dann erst gemacht, als sich meine Mitschülerinnen nacheinander verliebt haben und Beziehungen eingegangen sind. Um mich herum war es also voll von niedlichen Pärchen und ich habe begonnen, mich zu fragen, warum sich eigentlich kein Junge für mich interessiert. Es kann nur am Gewicht liegen, oder? Das dachte ich zumindest. Und so habe ich nach Möglichkeiten gesucht, abzunehmen.

Diäten wollte ich anfangs eigentlich keine machen, ich nahm mir einfach vor, weniger zu essen. Leichter gesagt als getan. ^^ Immer wieder hatte ich „Fressattacken“, wobei man diese Attacken wahrscheinlich gar nicht so bezeichnen dürfte. Was stellst Du dir darunter vor? Dass ich um ein Uhr nachts zum Kühlschrank renne und ihn leerfresse, oder? 😀 Tja, so war das gar nicht. Meine „Fressattacken“ bestanden lediglich aus einem kleinen ungesunden Snack zwischendurch. Hier mal ein Pudding, da mal ein Joghurt, dort schnell ein Stück Schokolade oder ein paar Chips. So richtig in mich reingestopft habe ich also gar nicht.

Eine Zeit lang habe ich meinen Körper dann einfach wieder ignoriert und normal gegessen bzw. mir keine Sorgen mehr gemacht. Doch schon bald tauchten in meinem Insta-Feed wieder diese tollen, schlanken Frauen auf, die von allen bewundert wurden  und die absolut alles tragen konnten. Und da fing das ganze dann richtig an.


Meine Krankheit

Ich hatte also ein ziemlich schlechtes Gewissen, jedes Mal, wenn ich gegessen hatte. Aber ich konnte mich einfach nicht zurückhalten! Und dann kam der erste „Anfall“, wie ich ihn gern nenne: Ich aß in der Pause beim Schwimmunterricht einen Müsliriegel, obwohl ich eigentlich gar keinen Hunger hatte, nur Appetit. Gleichzeitig waren da dann meine hübschen, dünnen Mitschülerinnen, die im Bikini eine geradezu perfekte Figur machten. Und dann fing es in meinem Kopf zu rattern an. Du hättest den Riegel nicht essen sollen! Das ist zusätzliches Fett, das sich ansetzt! Ich musste den Riegel also irgendwie wieder loswerden. Jetzt hatte ich die Wahl: Entweder sofort Sport machen und die Kalorien wieder verbrennen, oder die Kalorien gar nicht erst bis in den Darm durchlassen.

Wenn ich jetzt an diesen Moment zurück denke, kann ich gar nicht mehr genau sagen, was ich gedacht oder gefühlt habe. In meiner Erinnerung fand ich mich einfach auf den Toiletten wieder, den Finger im Hals, um Erbrechen gewollt herbeizuführen. Ich habe einige Versuche gebraucht, bis der Riegel schließlich komplett draußen war. Und in diesem Moment war ich zufrieden mit mir. Ich fühlte mich automatisch ein bisschen weniger dick.

Das war also sozusagen das erste Mal, als die Bulimie zugeschlagen hat. Immer öfter habe ich kleine Snacks von zwischendurch erbrochen, egal ob Schokoriegel oder Apfel. Und jedes Mal fühlte ich mich danach besser. Das ging ein paar Wochen so, bis ich schließlich der Meinung war, ich würde nicht genug erbrechen bzw. immer noch zu viele Kalorien zu mir zu nehmen. Also stellte ich meine Ernährung rapide um. Ich legte mir eine Kalorien-Liste an und jede Mahlzeit wurde darauf vermerkt und die Kalorien zusammengezählt. Mein Ziel waren weniger als 1,000 Kalorien pro Tag. Also habe ich, mit eiserner Disziplin, jegliche Snacks und Zwischenmahlzeiten weggelassen und mich nur auf Frühstück und Mittagessen beschränkt. Trotzdem hatte ich immer noch das Gefühl, viel zu viel zu mir zu nehmen. Es musste also ein Teil wieder raus.

Aus dem Teil wurde dann schlussendlich alles. Jede Mahlzeit wurde fast vollständig wieder heraus gewürgt. Ich nahm also praktisch gar nichts mehr zu mir. Mit dem Verlauf meiner Krankheit hat sich aber einiges verändert: Das zufriedene Gefühl, welches ich anfangs nach dem Erbrechen empfand, verschwand. Stattdessen fühlte ich mich schrecklich mies und hatte enorme Schuldgefühle. Ich wollte eigentlich nicht mehr erbrechen, ich hatte ja Angst vor den zahlreichen Konsequenzen (Zahnschäden, Verätzungen, Magenverkleinerung, etc). Ich wollte das meinem Körper nicht antun! Aber ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Die Panik vor einer Gewichtszunahme ließ mich nicht los.


Besserung & Rückfall

Irgendwann hat meine Mutter dann mitbekommen, was los war. Ich habe ihr jedoch nie die ganze Wahrheit gesagt, wie lange ich schon mit Bulimie zu kämpfen hatte und wie oft ich mich erbrach. Sie hat mir dann ein Ultimatum gestellt: Ich hatte zwei Wochen Zeit, damit aufzuhören, oder ich beginne eine Therapie. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, war das sicher nicht die beste Art, mit der Situation umzugehen. Aber ich glaube auch, dass sie mit dem ganzen komplett überfordert war, zumal sie ja auch nicht einschätzen konnte, wie schlimm es wirklich um mich stand.

In diesen zwei Wochen hat sie mich wirklich genau beobachtet. Nach jedem Toilettengang musste ich eine Art Geruchsprobe machen, und sie gab mir die Portionen vor, die ich essen sollte. Ich wusste das ganze natürlich zu umgehen, z.B. habe ich einfach unter der Dusche oder in der Schule erbrochen.

Trotzdem habe ich es in dieser Zeit irgendwie geschafft, aufzuhören. Ich hatte wirklich ungefähr 2 Monate lang Ruhe und dachte, alles sei überstanden. Ich fing an, mehr Sport zu machen und mich gesünder zu ernähren, was auch eine Weile gut ging. Doch ich hatte mich getäuscht. Die Bulimie kam wieder, schlimmer als zuvor. Ich aß kaum noch und wenn doch, würgte ich es sofort wieder heraus. Ich war oft krank, unausgeglichen, schlecht gelaunt und hatte viel Streit mit meinen Eltern. Es ging mir wirklich sehr schlecht.

Und das war für mich der Zeitpunkt, etwas zu ändern.


Keine Lügen & Therapien

Ich wollte dieses Leben so nicht mehr führen. Mein niedriges Selbstwertgefühl machte mich wirklich fertig, die ganze Krankheit laugte mich vollkommen aus. Also habe ich das erste Mal freiwillig mit einer Person darüber gesprochen, mit meiner besten Freundin. Und da habe ich wirklich begonnen, mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen.

Meine Freundin reagierte natürlich geschockt, aber sie hat wirklich versucht, mir so gut es geht zu helfen. Für mich war von Haus aus klar, dass ich meine Eltern mit diesem Themen nicht belasten wollte. Total bescheuert, ich weiß! Und ich kann Euch in so einem Fall wirklich nur ans Herz legen, euch an Vertrauenspersonen zu wenden und nicht meinem Beispiel zu folgen! Meine Freundin und ich haben also überlegt, wie wir jetzt am Besten vorgehen. Eine Therapie ohne das Wissen der Eltern ging nicht, zur Schulpsychologin wollte ich auch nicht, da es dann sicher irgendjemand mitbekommen hätte. Und dann sind wir auf eine tolle Lösung gestoßen: Eine kostenlose, anonyme Online-Therapie mit freiwilligen Psychologen/Psychologinnen! Perfekt, dachte ich. Und dann habe ich das ganze natürlich sofort ausprobiert!

 


Wie geht es mir jetzt?

Also, offiziell bin ich meine Krankheit los, inoffiziell ist sie natürlich noch immer ein Teil von mir. Manchmal versuche ich immer noch, zu erbrechen, aber ich kann es einfach nicht mehr. Es ist so, als hätte ich es verlernt. Trotzdem denke ich noch viel darüber nach.

Ich mache jetzt mehr Sport als früher. Wenn ich Zeit und Lust habe, gehe ich mal eine Runde laufen, ansonsten alle 2-3 Tage radfahren und jeden Tag ein ganz kleines bisschen Krafttraining, um die Bauch- und Beinmuskeln in Form zu halten.

Ich ernähre mich (aufgrund meiner Akne) derzeit nach einer Diät, die hat jedoch nichts mehr mit meinem Gewicht zu tun.

Ich habe schon lange nicht mehr absichtlich erbrochen und das ist etwas, worauf ich sehr stolz bin. Trotzdem denke ich manchmal noch übers Erbrechen nach, wenn ich das Gefühl habe, zu dick zu sein. Dann halte ich dem Druck jedoch stand und sage mir immer wieder, dass es in Ordnung ist, nach dem Essen aufgebläht zu sein und dass ich nicht zunehmen werde, wenn ich weiterhin regelmäßig Sport mache.

Ich habe also noch immer einen kleinen Weg vor mir, bis ich dieses Kapitel vollständig hinter mir lassen kann. Aber ich bin positiv und zuversichtlich, denn ich glaube an mich und daran, dass ich es schaffen kann!

Vielen Dank, dass Du meine Geschichte bis hierhin verfolgt hast.Wenn auch Du psychisch krank bist oder andere Probleme hast, kannst du mir gern schreiben. Ich hätte mir damals gerne jemanden zum Reden gewünscht, und vielleicht tust Du das ja auch.

Und hey: Du bist wunderschön, so wie du bist!